S Christliche Genealogie

Christliche Genealogie

Hans-Joachim Sehrbundt

Kann man es in der heutigen Zeit noch wagen, von christlicher Genealogie zu reden, ohne als verbohrter Rassist oder Ewiggestriger zu gelten?
Gibt es etwa eine christliche Mathematik, Physik oder Biologie?
Diese Fehlsichtigkeit lässt das Thema schon als abartig-hinterwäldlerisch erscheinen - heute hat alles weltoffen, global tolerant, universal und multikulturell zu sein.

Die neuzeitliche Dekadenz der verwaschenen liberalen Scheinuniversalität (Relativismus) zerbröselte die Diskussion um eine Leitkultur, diese weltoffene Toleranz ist das Totschlagargument gegen eine christliche oder vaterländische Kultur oder gar eine solche Gesinnung.
Das Christliche hingegen ist vorgestrig-reaktionär, die Genealogie der christlichen Märtyrer lösten die islamistischen Dschihad-Helden ab.

Der Genealoge bemüht heute das Internet und die Datenbanken der Mormonen, er forscht aber auch in alten Kirchenbüchern oder lässt dort nachsehen.
Ohne PC ist man aufgeschmissen, der alte Hobel Schreibmaschine hat ausgedient. Manch moderner Genealoge reibt sich verwundert die Äuglein, wenn er feststellen muß, wie weit Vorforscher mit allereinfachsten Hilfsmitteln kamen - und vor allen Dingen: Wie gründlich.

Die Verfilmungen der Kirchenbücher durch die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" (Mormonen) konnte nur vorgenommen werden, weil in der Hauptsache katholische Geistliche diese mit Hingabe und Akribie führten. Dieses Aneignen, so nützlich es auch für den Genealogen ist, konnte nur geschehen, weil christliche Traditionen die deutschen Lande prägten.
Kirchenbücher waren das Seelenverzeichnis einer Gemeinde, ein Herzstück, sie kündeten vom Kirchenvolk: Taufe - Hochzeit - Tod. Sie waren und sind auch Kirche, berichteten von deren Gliedern im Verein mit Jesus Christus, dem Erlöser.

Generationen von Ahnenforschern benutzten und benutzen diese urchristlichen Unterlagen einer einstmals sehr lebendigen Kirche. Auch bedienen sie sich der Verheißung der Auferstehung, denn mit dieser Gewissheit und dem Segen starben unsere Vorfahren. Diese Bedien-Mentalität der genealogischen Konsumenten lässt die Inhalte und gewonnenen Erkenntnisse nicht mehr in diesem Zusammenhang erkennen. Losgelöste Neuschöpfungen, abgekoppelt von den christlichen Quellen, leisten der Unverbindlichkeit des dekadenten Zeitgeistes Vorschub. Man hat heute einen "Anspruch" auf die Kirchenbücher ohne zu bedenken, dass sie ein zu schützendes Kulturgut und Eigentum der Kirche sind (oder waren).

Auch wohnt in den Kirchenbüchern der Geist der Eucharistie; jedes Verzeichnen, Taufe, Hochzeit und Tod, steht mit den heiligen Sakramenten in engster Verbindung.
Diese einschneidenden Ereignisse im Leben der Altvorderen waren es, weshalb die Aufzeichnungen erfolgten, dieses zentral-fundamentale Erlebnis wurde festgehalten. Das Festschreiben diente nicht zur Vervollständigung späterer genealogischer Sammlungen.
Die Taufe, das Christwerden, die Vereinigung mit Christus, das Sakrament der Ehe und die Krankensalbung: Die immer angestrebte und vollzogene Vereinigung mit Christus, das Aufnehmen des HERRN, des in-IHM-Seins und seine Anwesenheit in uns machten den Vorfahren zum Christenmenschen. Die Kirche begleitete ihn, zur allerseeligsten Gottesmutter Maria stiegen die Gebete empor.

Der Vorfahr war dank seines Glaubens im Geheimnis des Dreifaltigen Gottes-des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes-geborgen und beheimatet. Sein Schutzengel begleitete ihn.

Von dieser Heimat kündet das Kirchenbuch, schlägt man es auf, betritt man christlichen Boden, heiligen Boden, Heimat. Es ist mehr als ein altes Stadtadressbuch. Hier ist verzeichnet, was auch im Himmel verzeichnet wurde. Was auf Erden vor dem Priester gebunden wurde ist auch vor dem HERRN gebunden - bis zum jüngsten Tag.

Nur:
Daran denkt kaum einer der Genealogen bei der oft achtlosen Benutzung dieser Bücher. Wie oft wird hinein gekritzelt, wie oft sieht es der augenblickliche Verwalter als "sein" Eigentum an. Wie oft liegt es - mit nach Hause genommen - irgendwo in einer Ecke. Oder wird gar ein "Vaterunser" zum Gedenken der Toten gebetet?
Alleine schon der lieblose Umgang mit den Kirchenbüchern zeigt die Einstellung der Menschenkinder.
Es ist wie bei den Embryonen: Sie werden ausgeschlachtet, Stammzellen sollen neues Glück bringen - auf Kosten getöteter kleiner Menschen, eigentlich eine Schlachthofmentalität.

Der Nationalsozialismus baute auf diesen Kirchenbüchern die Stammbäume eines arischen Volkes auf, während Priester und Ordensleute verfolgt wurden.

Wir leben in Deutschland in einer Glaubenswüste. Kirchenbücher sind zur Zeit noch ein notwendiges Übel, demnächst ersetzt durch Datenbanken (welche wiederum auf diesen beruhen, aber man erkennt den Bezug nicht mehr).
In einer Zeit, in der ein Bundeskanzler der BRD zu Beginn seiner Amtsperiode sagte: "Wir werden die Kirchen nicht bekämpfen, aber wir werden alles tun, um sie überflüssig zu machen". Ein anderer deutscher Kanzler stellte ähnliches auch schon vor 70 Jahren fest...

Man sollte bedenken, dass eine solche Einstellung unserem Lande eine Scheidungsquote von 40 Prozent bescherte - die Zahl der Geist- und Wunderheiler in unserem Vaterland übersteigt die der Ärzte.
Diese sollten ohnehin abgeschafft werden, damit das Gesundheitssystem billiger wird. Sie stören nur als Kostenproduzenten und verhindern noch das sozialverträgliche Ableben der Alten. Sie sind teilweise noch gegen die ungehemmte Abtreibung und gewünschte Euthanasie: Heute schon wird staatlich festgelegt, was verordnet werden darf (Billigstmedikamente) und welche Operation noch vorgenommen wird.

Unsere Kirchenbücher wären lückenhafter, hätte es damals schon die Abtreibung, das staatlich erlaubte Morden gegeben. Der Kindermord in Bethlehem war einmalig und ist bibelkundig, die Permanenttötung unschuldiger Ungeborener scheint normal, niemand regt sich darüber auf.
Warum es in Deutschland so wenig Nobelpreisträger gibt, fragen sich die Menschen.
Die Antwort könnte lauten: Weil diese abgetrieben wurden.
Diese Toten reißen Lücken in das Volk, welche unsere Multikulturellen mit einer ebensolchen Zuwanderung stopfen wollen. Christliche Familien mit fünf oder mehr Kindern sind heute exotisch, sie bewegen sich in der Nähe der Armutsgrenze. Der Staat wünscht sich zwar Bürger, damit die Gehälter der Staatsfunktionäre gesichert sind, gleichzeitig aber fördert er die Abtreibung. End-ideologisierter Familienschutz beginnt mit dem Abtreibungsverbot.

Glaube wich Unglauben, die Bürger verloren und verlieren immer weiter den Mut, wir rutschen tiefer und tiefer in ein Jammertal geistig-moralischer Dekadenz.
Aufhellende Retter sind Alkohol, Drogen und eine ungehemmte Vergnügungssucht - ohne Events ist das Leben öde.
Deutschland - Reformerland. Gesundheits-, Arbeitsmarkt-, Rentenreform. Jeder Deutsche ein Reformprofi. Die Rechtschreibreform brachte Narrenfreiheit und Heiterkeit in das Staatsdickicht der Reformverstrickungen.
Sinkende Renten, Arbeitslose, gewollte und verordnete mangelhafte Gesundheitsfürsorge - die Menschen haben keine Perspektive. Ärzte gehen auf die Straße und streiken, Krankenhäuser schließen, Praxen melden Insolvenz an.
Sterbende sozialistische Planlandschaften, der Neomarxismus grüßt, der Marsch durch die Institutionen war erfolgreich. Die Reformer brachten Bewegung in unser Land: Die Arbeitsämter schafften mit Amtsantritt eines neuen Präsidenten tausend nagelneue BMWs an.
Es gibt in diesem Staatswesen keine Vorbilder oder gar Glaubwürdigkeiten mehr, der Glaube zog aus, der Unglaube ein. Gibt es wissenschaftliche Untersuchungen darüber, ob sich die heutigen "demokratisch" gewählten Herrscher moralisch besser verhalten, als die gescholtenen früheren "Junker"?

Die einzig glaubwürdige Institution, der Rufer in der Wüste, ist die heilige katholische Kirche.
Das Lebenswerk des jetzigen Heiligen Vaters (Benedikt XVI.) ist ein Leuchtfeuer des Glaubens in unserer Zeit.
Der Heilige Geist ruhte von Anbeginn an auf ihm, alle seine Schriften zeugen davon, spätere Zeiten werden ihn als Kirchenlehrer verehren.
Der Autor machte schon als Student nie den geringsten Hehl aus seiner jahrzehntelangen Zuneigung zum ehemaligen Bonner Professor Ratzinger, dem späteren Kardinal und heutigen Heiligen Vater.
Benedikt XVI. zeigte und zeigt uns den Weg zum VATER, zur heiligen Dreifaltigkeit. Er führt uns hin zu dem, was Jesus meint:

"Seht, ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt".

Der HERR war und ist auch bei unseren Vorfahren, bis er seine endgültige Herrschaft antreten wird.
Er ist aber auch bei den Genealogen, welche dieser Verheißung gedenken, die gleichermaßen für die zu Erforschenden und für den Forscher gilt.

Beide sind eingebunden, beide sind eins im HERRN, sind eins in IHM Dank der ewigen immer wiederkehrenden heiligen Eucharistie.

Amen.

 

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